Warum Longlegs?

In einer Art Zwiegespräch mit dem Ton entstanden am Anfang meiner Berufslaufbahn Tier- und Menschenfiguren aus einem außergewöhnlichen Blickwinkel. Ich setze die Froschperspektive, die man als zeichnerische Technik kennt, auf die Dreidimensionalität um, was eine ungewöhnliche perspektivische Verzerrung und dadurch eine Bedeutungsänderung bewirkt.

Unsere Gegenwart ist durch Kommunikation und Medien sehr „verkopft“. Die Köpfe der Figuren lasse ich absichtlich klein und bedeutungslos, während die Körper durch ihren sicheren Stand eine gute Erdung haben.

Ich sehe in den Longleg-Figuren auch die Widersprüchlichkeit unserer Existenz: der Mensch ist ein in der Evolution eingebettetes biologisches Wesen, aber durch seine Erkenntnisfähigkeit und Gehirntätigkeit mit seiner eigenen Vergangenheit und Zukunft verbunden und damit auch im Abstrakten zu Hause. Diese Unvereinbarkeit ist eine ständige Konfliktquelle und bringt unter anderem die Kunst hervor.