Bilderbuch – Interview

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Bilderbuch – Interview

Aus der Redaktion.com
Heute ist Miriam H. in Lutzmannsburg bei
Astrid Sänger,
Verlag Beim Storchennest

Astrid Sänger

“Du musst von Dir großartige Dinge erwarten, bevor Du sie erreichen kannst.”(Michael Jordan, Basketball-Champion)

Lesen Sie hier ein Gespräch mit Astrid Sänger über die  Bilderbücher aus dem Verlag Beim Storchennest, Lutzmannsburg, Burgenland.

Redakteurin Miriam H.:

Ich bin hier an der ungarischen Grenze in dem naturbelassenen Garten des Künstlerpaares Astrid Sänger und Otakar Sliva, um mit Astrid ein Gespräch über sie und ihr neues Projekt zu führen. Astrid, als Malerin und Buchherstellerin hast Du Deinen Kundenkreis überrascht, der Dich doch als Keramikkünstlerin kennt?

Astrid S.:

Keramik zu machen ist mir wichtig, nur sind die Werke meistens zerbrechlich und schwer, was früher schon bei den Kunsthandwerksmärkten eine Rolle spielte, und heute beim Versand ein Nachteil ist. Daher dachte ich an eine zweite Produktlinie. Malen und Buchillustration wäre für mich schon bei der Berufswahl eine Alternative zur Keramik gewesen.

Redakteurin:

Was hast Du damals dafür unternommen?

Astrid S.:

Ich war wegen einer Stellenausschreibung mit meiner Präsentationsmappe im Ueberreuter-Verlag, wo man mich, glaube ich, deshalb gnädig empfangen hat, weil meine Schwester dort als Sekretärin gearbeitet hat. Meine Zeichnungen und Bilder waren passabel, aber weit weg von brilliant oder originell, und man gab selbstverständlich Akademikern den Vorzug.

Redakteurin:

Dann – hast Du mir erzählt – blitzte kurz die Idee auf, Buchrestauration zu studieren, weil es mehr Handwerkliches versprach als die immer computer-orientierteren Studiengänge für Bildnerische Kunst.

Astrid S.:

Ja, die grundsätzliche Ablehnung von Computern hat mich oft bei Entscheidungen beeinflusst. Am liebsten wäre mir ein analoges Leben auf dem Lande gewesen.

Redakteurin:

Dieser Wunsch hat sich insoweit erfüllt, als Du vor zwanzig Jahren aus Wien ins Burgenland übersiedelt bist, aber von analog kann heute keine Rede mehr sein. Hast Du nicht neben dem Layout für alle Deine Bücher auch Deine Website selbst gemacht?

Astrid S.:

Ich sitze wirklich inzwischen viele, viele Stunden vor dem Bildschirm, aber ich kann mich dabei über das Realisieren des eigenen Projektes freuen, das macht die Sache erträglich. (Wir sind übrigens mitten im Bilderbuch – Interview!)

Redakteurin:

Und dass Deine Produkte wirklich persönliche, ja, autobiografische Elemente haben, sehe ich hier im Garten. Nicht nur das Vogelfutterhaus hängt im Zwetschkenbaum über uns, auch die Leiter steht da. Im Leporello-Bilderbuch Das Vogelfutterhaus ist der Bezug also ganz deutlich. Wie sieht es mit dem hungrigen Fuchs aus?

Astrid S.:

Ich habe in meiner Kindheit viel Zeit auf der Perchtoldsdorfer Heide verbracht, wo es damals eine Menge Zieseln gab. Der Hang war voller Löcher.              Die Wortspielereien und das Reimen liegen wohl ein bisschen in der Familie. Ein Onkel von mir hatte zu jedem Anlass ein selbstgemachtes Gedicht, mein Vater hat gerne Wilhelm Busch und Christian Morgenstern zitiert, auch meine Nichte liebt Anagramme.

Redakteurin:

Die Liebe zur Sprache ist immer deutlich, und auch dein Humor. Irgendwie altmodisch mutet die Szenerie in Das Mündel des Herrn Haupt an. Mündel ist kein gebräuchliches Wort mehr, es ist eine Ziehtochter. Die junge Frau hat also eine häusliche Beziehung mit Herrn Haupt, in der er der Verantwortliche ist, was angesichts ihrer aufreizenden Freizügigkeit Spannung erzeugt.

Astrid S.:

Auf Mund fiel mir einfach gleich Mündel ein. Es ging mir gar nicht darum, ob der Mann ihr Vormund ist. Über die Geschlechterhierarchie und gesellschaftliche Paradigmen habe ich mir erst beim Malen Gedanken gemacht. Mich hat das Darstellen der Nacktheit interessiert, des klassischen Weiblichen Aktes, und wenn schon, dann gleich ohne drapierten Faltenwurf über angeblich unanständige Körperstellen.

Redakteurin:

Die Aktzeichnungen und Aktmalereien berühmter Künstler, die da in Rahmen an der Wand hängen, geben Deiner Kleinen Frivolität noch eine weitere, witzige Ebene! Und dann stellst Du im vierten Band noch durch Buchstabenverdreher einen ganz absurden, komischen Bezug zwischen Sich Schönmachen und Schweinen her! Wie ist das möglich?

Astrid S.:

Ja, Sich Möhnschachen ist Sauenfrache, und wenn man es so sieht, liegt es nahe, zu einem Text über Kosmetik immer auch Schweine zu assoziieren.  Die Collagen von Aquarellmalerei auf Faserseide waren bisher mein Lieblingsprojekt, ich mag auch den Geruch beim Linolschneiden.

Redakteurin:

Nun hast Du das Handwerkliche angesprochen – die Bilderbücher sind vorwiegend mit Aquarellfarben gemalt, im Linolschnitt hast Du den Text für „Sich Möhnschachen“ hergestellt.  Wie ist es dann auch noch zum Bücherbinden gekommen? (Wir sind übrigens mitten im Bilderbuch – Interview!)

Astrid S.:

Mein Traum war ein Offsetdruck auf ausgewähltem Papier, der meine bebilderten Geschichten möglichst farbgetreu wiedergibt. Durch das Bestellen ganzer Druckbögen konnte ich Kosten sparen und habe alles selbst geschnitten, gefaltet, geklebt und die Buchdeckel hergestellt. Das habe ich mir mit Üben an antiquarischen Büchern und anhand vieler Internet-Tutorials beigebracht.

Redakteurin:

Ich habe eines der Leporello-Bilderbücher in der Hand, es greift sich gut an, irgendwie samtig.

Astrid S.:

Ja, ich habe die Buchdeckel zum Schutz vor Kratzern und Flecken mit einem hochwertigen Mattlack lackiert, der auch für Kinderspielzeug geeignet ist.

Redakteurin:

Wer glaubt, so eine Zieharmonikafaltung würde gleich auseinanderfallen, irrt sich. Ich finde, sie lässt sich sogar besser umblättern als Seiten einer herkömmlichen Rückenbindung. Was sind Deine nächsten Pläne, Astrid? Gibt es noch einen geheimen Vorrat an Ideen und Gedichten? Wirst Du in Zukunft nur noch Bücher herstellen?

Astrid S.:

Ich wende mich momentan wieder der Keramik zu, der erste Büchervorrat ist ja  fertig. Ja, es gibt bereits begonnene Projekte, zB. ein zweisprachig geschriebenes ungarisches Märchen, auf das ich mich schon freue.  Es wird mit einem Teil der Einnahmen aus den derzeit erhältlichen Büchern finanziert werden. (Wir sind übrigens mitten im Bilderbuch – Interview!)

Redakteurin:

Das klingt schlüssig. Es ist jetzt also Kundenzeit! Ich wünsche Dir viele, viele Käufer und Menschen, die Deine Werke weiterempfehlen.  Aprospos: Was kostet denn ein handgemachtes und signiertes Bilderbuch?

Astrid S.:

Vierundzwanzig Euro.

Redakteurin:

Toll! Vielen Dank für das Gespräch und bitte, packe mir je ein Leporello – Buch ein und vom Vogelfutterhaus zwei. (Das war übrigens das Bilderbuch – Interview!)

 

Wo bekommt man die Bilderbücher?

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